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72o - SCHLECHTESTE STARTHAND? |
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Einleitung
Immer und überall hört man jedesmal wieder, dass die Starthand 7-2 offsuit,
kurz 72o, die wohl schlechteste Starthand beim Texas Hold'em Poker sei.
Diese Aussage entspricht jedoch nur teilweise wirklich der
Wahrheit.

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Der logische
Ansatz für diese Behauptung und die darin aufgeführten Gründe legen die
Richtigkeit dieser Behauptung nahe, aber aus mathematischer Sicht
ist
diese Aussage (zumindest in Heads-Up-Situationen) nicht korrekt.
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Logischer Ansatz
Der logische Ansatz für diese Behauptung basiert auf mehreren Gründen, die
wir hier nachfolgend genauer erklären wollen.
No-Pair vs. Pocket Pair
Bei der Starthand 72o handelt es sich um eine Starthand, die aus zwei Karten
unterschiedlichen Wertes besteht. Starthände die aus zwei Karten gleichen Wertes
bestehen (Pocket Pair), haben eine wesentlich höhere Gewinnerwartung.
Straights / Straßen
Um eine Straight, bzw. Straße bilden zu können, ist es von Vorteil, wenn die
beiden Karten der Starthand möglichst nahe zusammen liegen, im besten
Fall handelt es sich um Connectors. Je größer die Lücke zwischen den
beiden Karten ist, desto stärker sinken die Chancen für das Bilden einer
Straight.
Zusätzlich ist es von Vorteil, möglichst hohe Karten zu haben, da die Höhe
der Endkarte der Straße Ausschlag darüber geben kann, ob man gewinnt oder
verliert.
Bei der Starthand 72o sind die beiden Karten zu weit auseinander, um eine
Straße bilden zu können, die beide Karten enthält. Das heißt, man braucht
insgesamt 4 mal Hilfe durch die 5 Gemeinschaftskarten. Zusätzlich rangiert diese
Starthand am untersten Ende der Kartenwerte.
Flushs
Für die Bildung eines Flushs ist es von Vorteil, wenn beide Karten der
Starthand von der gleichen Farbe sind (suited), um aus den Gemeinschaftskarten
nur 3 mal Hilfe zu benötigen.
Da es sich bei der Starthand 72o um eine Starthand handelt, die aus zwei
Karten unterschiedlicher Farbe besteht (offsuit), ist hier die Chance für einen
Flush entsprechend geringer.
Kicker
Bei manchen Spielsituationen entscheidet im Showdown der Kicker, ob eine Hand
gewonnen oder verloren wird.
Die Starthand 72o bietet nun zum Beispiel bei einem Paar Siebenen mit
seiner Zwei als Kicker, bei weitem keine große Hilfe. Umgekehrt bei einem
Paar Zweien mit einer Sieben als Kicker, wird man ebenfalls mit Sicherheit
relativ einfach durch einen anderen Spieler überstimmt.
Mathematischer Ansatz
Die folgende Tabelle zeigt auszugsweise, wo die Starthand 7-2 offsuit
aus mathematischer Sicht, in der Rangfolge der Starthände platziert ist.
| Rang | Hand | Anzahl | Gewinn | Split | Verlust | Gewinn% | Split% | Verlust% |
| ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... | ... |
| 161 | 53 | 12 | 695.659.494 | 130.252.858 | 1.271.660.048 | 33,2% | 6,2% | 60,6% |
| 162 | 32s | 4 | 694.128.063 | 121.548.181 | 1.281.896.156 | 33,1% | 5,8% | 61,1% |
| 163 | 63 | 12 | 691.034.721 | 128.811.451 | 1.277.726.228 | 32,9% | 6,1% | 60,9% |
| 164 | 43 | 12 | 672.613.963 | 129.405.379 | 1.295.553.058 | 32,1% | 6,2% | 61,8% |
| 165 | 72 | 12 | 665.146.081 | 120.742.594 | 1.311.683.725 | 31,7% | 5,8% | 62,5% |
| 166 | 52 | 12 | 654.312.693 | 129.877.323 | 1.313.382.384 | 31,2% | 6,2% | 62,6% |
| 167 | 62 | 12 | 649.269.252 | 128.334.924 | 1.319.968.224 | 31,0% | 6,1% | 62,9% |
| 168 | 42 | 12 | 631.734.409 | 129.520.959 | 1.336.317.032 | 30,1% | 6,2% | 63,7% |
| 169 | 32 | 12 | 613.318.625 | 128.742.131 | 1.355.511.644 | 29,2% | 6,1% | 64,6% |
Die Daten für diese Rangliste wurden durch ein
"Durchspielen" aller möglichen Kombinationen (Gegner-Starthände,
Gemeinschaftskarten) in einer fast einen Monat andauernden Berechnung ermittelt. Vorausgesetzt wurde
hier eine Heads-Up-Situation, also 2
Spieler, die jeweils alle Gemeinschaftskarten bis zum Showdown
ansehen.
Anhand dieser Übersicht stellt sich ein anderes Bild dar, als man es nach der
Argumentation im logischen Ansatz
erwarten würde.
Die Erklärung hierfür ist eigentlich ganz einfach.
In einer Heads-Up-Situation mit 2 Spielern kommt es bei einer
mathematischen Betrachtung noch zu ausreichend vielen Situationen, wo 72o auf gegnerische
Starthände treffen kann, wo die Qualität der Sieben als Kicker ausreichend ist. Doch
je mehr Spieler an einem Spiel teilnehmen, desto weniger noch schlechtere Hände
sind dann mathematisch gesehen möglich.
Fazit
In einer Heads-Up-Situation ist es mathematisch gesehen also nicht korrekt,
die Starthand 72o als die schlechteste Starthand zu
bezeichnen.
Aber diese mathematische Begründung relativiert sich mit ansteigender
Anzahl von Gegnern.
Ab einer Zahl von 6 Spielern (also 5 Gegnern) wird 72o auch mathematisch
gesehen zur schlechtesten Starthand.
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